Gesundheit hat ein Geschlecht
Moderne Gesundheitskonzepte beruhen auf einem Gesundheitsbegriff,
der neben körperlichen Befunden und medizinischen Dienstleistungen
soziale Komponenten betont. Das Krankheitsrisiko eines Menschen
hängt von seinem Lebensumfeld und seinem sozialen Status darin
ab. Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheitsförderung
primär eine Aufgabe im Gesundheits- und Sozialbereich und keine
medizinische Dienstleistung.
Dieses Konzept bestätigt, wofür die Frauengesundheitsbewegung
seit 30 Jahren kämpft: für die Gesundheit eines Menschen
ist es bedeutsam, ob sie/er als Frau oder Mann in dieser Gesellschaft
lebt. Frauen sind den Männern nicht gleichberechtigt, sondern
verdienen häufig weniger, verfügen über weniger Macht
und Einfluss und tragen die Doppelbelastung von Beruf und Kindern.
Sie leiden häufiger unter Gewalt und weibliche Rollenvorstellungen
können das Selbstwertgefühl von Frauen und Mädchen
mindern. Und sie gehen anders mit sich und ihrem Körper um.
Dies alles beeinflusst das Wohlbefinden von Frauen. Daher unterscheiden
sie sich in ihrem Gesundheitsverhalten und in ihren Gesundheitsrisiken
von Männern. Sie haben ein anderes Krankheitsspektrum und reagieren
anders auf die Behandlung.
Aus diesen Unterschieden ergeben sich unterschiedliche Bedürfnisse
und Interessen von Frauen und Männern an das Gesundheitssystem.
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